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Wirtschaft wächst weiter

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Im 1. Quartal 2014 ist die deutsche Wirtschaft um 0,8 Prozent gewachsen. Damit hat sich der schon einige Quartale andauernde Aufschwung deutlich verstärkt. Kräftige Impulse gingen von den Investitionen aus. Im 2. Quartal könnte sich das Wachstumstempo verringern, weil die durch das milde Winterwetter entstandenen Sondereffekte ausgeklungen sind. Doch weiterhin beurteilen die Betriebe ihre Geschäftslage als sehr positiv. Die Konjunkturaussichten liegen noch in einem guten Bereich, trüben sich aber zunehmend ein. Weiterhin wächst die Beschäftigung, allerdings nicht mehr so kräftig wie in den Wintermonaten. Trotz langsam steigender Chancen profitieren Arbeitslose noch wenig vom Beschäftigungsaufschwung.

Im 1. Quartal 2014 wuchs das preis-, saison und kalenderbereinigte Bruttoinlandsprodukt um 0,8 Prozent (nach +0,4 % im 4. Quartal und +0,3 % im 3. Quartal 2013). Dabei legte die Wertschöpfung im Bau, im Finanzwesen, im Handel sowie im Verarbeitenden Gewerbe und bei den Unternehmensdienstleistern überdurchschnittlich zu. Der kräftige Schub zu Jahresbeginn 2014 hängt auch mit der sehr milden Witterung zusammen. Für das 2. Quartal schätzen die Betriebe ihre wirtschaftliche Lage ebenfalls als sehr gut ein. Das BIP dürfte aber etwas schwächer wachsen als im 1. Quartal, weil die Nachholeffekte nach einem normalen Winter fehlen.

Im 2. Halbjahr 2014 könnte die Dynamik noch etwas mehr nachlassen

Zwar liegen die Konjunkturerwartungen noch auf einem guten Niveau, sie haben sich aber tendenziell bereits seit dem Jahreswechsel verschlechtert, zuletzt sogar stärker. Daraus sprechen u. a. die Verunsicherung angesichts der Krisen in der Ukraine und dem Irak sowie die nachlassenden Exportmöglichkeiten nach Russland. Das internationale Umfeld weist eine beachtliche Heterogenität auf. Die Wirtschaft der Europäischen Union wuchs im 1. Quartal 2014 um 0,3 Prozent – ebenso schwach, aber stabil wie in den Vorquartalen. Zum Wachstum trugen vor allem Deutschland und Großbritannien bei, während Italien noch nicht aus der Rezession herausfindet. Immer mehr Stabilität gewinnt Spanien. Außerhalb Europas hat sich die gute Entwicklung abgeschwächt. In den USA sorgten Schnee und Kälte zu Jahresbeginn für einen Einbruch im Bau und für einen schwachen Handel; die Wirtschaft schrumpfte. Eine solche Sonderentwicklung ist häufig mit Nachholeffekten im darauffolgenden Quartal verbunden; das signalisiert auch der Indikator für das nordamerikanische Wirtschaftsklima. Allerdings besteht zurzeit eine höhere Unsicherheit über die weitere Konjunktur in den USA. In China bleiben die jüngsten Wachstumsraten deutlich hinter den historischen Höchstständen zurück, die Industrie ist mehrere Monate in Folge geschrumpft. Aus den Schwellenländern kommen zurzeit bestenfalls geringe Konjunkturimpulse. Angesichts der durchwachsenen Weltwirtschaft hat sich die Entwicklung der Exporte wieder verlangsamt. Gegenüber dem 4. Quartal 2013 wuchsen sie nur um 0,2 Prozent. Die Exporterwartungen bleiben zwar im positiven Bereich, lassen aber keine Dynamik erkennen. Die gute Situation hierzulande sorgte indes für hohe Einfuhren (+2,2 %). In der Summe hat der Außenbeitrag die Entwicklung des BIP im 1. Quartal gebremst. Grundlage des guten Wachstums war also ausschließlich die Binnenwirtschaft, vor allem die Investitionen. Die milde Witterung und die günstigen Finanzierungsbedingungen führten zu einem kräftigen Plus bei den Bauinvestitionen (+3,6 %). Die Investitionen in Ausrüstungen und der Lageraufbau trugen ebenfalls erheblich zur Wirtschaftsleistung bei. Auch im 2. Quartal dürften die Investitionen ein wesentlicher Wachstumstreiber gewesen sein. Zwar fehlten die üblichen Frühjahrseffekte im Bau, aber die Kapazitätsauslastung war zu Beginn des 2. Quartals gestiegen und die Unsicherheit an den Finanzmärkten ist nachhaltig eingedämmt. Die weiteren Perspektiven werden von den Investitionsgüterproduzenten jedoch pessimistischer eingeschätzt. Der private Konsum hat wieder an Dynamik gewonnen (+0,7 % im 1. Quartal 2014, nach Stagnation im 2. Halbjahr 2013). Als wesentliche Gründe dieser günstigen Entwicklung und der hohen Anschaffungsneigung sind weiterhin die gute Beschäftigungssituation und die niedrigen Anlagezinsen zu nennen. Auch die Staatsausgaben wirkten mit einem Zuwachs um 0,4 Prozent expansiv auf das BIP. Trotz hohem Schuldenstand und gesetzlicher Schuldenbremse entsteht dieser Handlungsspielraum durch deutlich wachsende Steuereinnahmen. Am Arbeitsmarkt setzt sich der positive Trend der Beschäftigung fort; nach dem ungewöhnlich milden Winter schwächt er sich aber ein wenig ab. Auch bei der Arbeitslosigkeit fehlen die üblichen Frühjahrseffekte, und sie steigt saisonbereinigt zum zweiten Mal in Folge leicht. Für die kommenden drei Monate signalisiert das IAB-Arbeitsmarktbarometer mit 99,6 Punkten eine Stagnation. Damit würden sich nach dem Ausklingen der untypischen Winter- und Frühjahrseffekte wieder stärker die strukturellen Probleme beim Abbau der Arbeitslosigkeit zeigen.

 

(Quelle: IAB, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Nürnberg)