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Unternehmensnachfolge in Bayern

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Die Übergabe des eigenen Betriebes zählt zu den wichtigsten Aufgaben im Leben einer Unternehmerin oder eines Unternehmers. „Sie erfolgreich zu meistern, bedarf spezieller, zielgerichteter Informationen, Beratung, Förderung und Weichenstellung.“ Dieses Resümee zieht die Studie „Unternehmensnachfolge in Bayern“, die von der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Paderborn gemeinsam mit dem Betriebswirtschaftlichen Forschungszentrum für Fragen der mittelständischen Wirtschaft an der Universität Bayreuth im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Infrastruktur und Technologie durchgeführt wurde. Kernpunkte der Studie sind:

 

Wie viele Unternehmen in Bayern sind betroffen?

Nach der letzten Erhebung 2009 sind im Freistaat Bayern insgesamt 632.121 Unternehmen tätig. Darunter sind rund 600.000 Familienunternehmen. Bis zum Jahr 2015 dürften es in Bayern rund 20.200 Familienunternehmen mit zusammen etwa 304.000 Arbeitsplätzen sein, die sich auf ein Ausscheiden ihres Inhabers oder ihrer Inhaberin vorbereiten müssen – in den meisten Fällen altersbedingt, in manchen Fällen auch bereits vor dem 60. Lebensjahr des Unternehmers infolge absehbarer Krankheit oder Tod. Nach Wirtschaftszweigen sind das 7.370 Betriebe im Dienstleistungssektor, 6.920 in Handel, Verkehr und Gastgewerbe und 5.910 Betriebe im produzierenden Gewerbe. Im Durchschnitt werden innerhalb von zwölf Monaten rund 4.000 Unternehmen mit rund 61.000 Arbeitsplätzen übergeben.

 

Ab welchem Alter denken Gründer an Unternehmensübergabe?

In fast 70 Prozent der Fälle ist das altersbedingte Ausscheiden des Inhabers der Grund für die Unternehmensübertragung – für diesen Normalfall kann vorgesorgt und geplant werden.
Bei den restlichen 30 Prozent tritt der Risikofall ein, der unterschiedliche Ursachen haben kann: Bei 46 Prozent dieser mehr oder weniger plötzlich eintretenden Nachfolgesituationen wechselt der Unternehmer in einen anderen Tätigkeitsbereich oder gibt ganz auf, überwiegend aus Mangel an unternehmerischem Erfolg oder aufgrund einer veränderten Lebensplanung.
Mehr als die Hälfte der Risikofälle (54 Prozent) aber sind Notlagen, in denen der Unternehmer die Betriebsführung wegen Unfall, Krankheit oder plötzlichem Tod abgeben muss.

 

Die Hauptprobleme bei der Nachfolge

Für die Studie wurden Nachfolgerberater befragt. Sie benannten aus ihrer umfangreichen Erfahrung eine Reihe von Problemen, die den Nachfolgeprozess immer wieder stark behindern. Die sechs häufigsten Probleme sind:

  • Zu späte Planung und Übergabe;
  • Auswahl und Vorbereitung eines geeigneten internen oder externen Nachfolgers;
  • Einschätzung des Unternehmenswertes;
  • Finanzierung der Unternehmensübernahme;
  • Motivation und Qualifikation potentieller Übernehmer;
  • Nicht-Loslassen-Können und begrenztes Vertrauen in den Übernehmer.

Unverzichtbar: Nachfolgeberatung

Wie die Gründung, so ist auch die Regelung der Nachfolge eine sehr komplexe Aufgabe. Voraussetzung für den Erfolg sind frühzeitige und aktive Planung sowie die Unterstützung durch Experten. Deshalb beraten beispielsweise Gründeragenturen und Gründerzentren auch, wenn es um Unternehmensnachfolge geht. Sie wurden für die Studie ebenso befragt wie die Beratungsstellen der Handwerkskammern sowie der Industrie- und Handelskammern, kommunale Wirtschaftsförderer, die Berater von Finanzinstituten wie Banken und Sparkassen, Rechtsanwälte, Notare, Steuerberater und Unternehmensberater.

 

Wann der Einstieg für den Nachfolger sinnvoll ist

Wer in ein Unternehmen als Nachfolger einsteigt, muss damit seinen Lebensunterhalt verdienen können. Ein Unternehmen soll dazu einen nachhaltigen Jahresgewinn erzielen. Als Richtschnur gilt hier ein durchschnittliches Arbeitnehmereinkommen inklusive des Arbeitgeberanteils an der Sozialversicherung; das sind rund 49.500 Euro.

Große Chancen für externe Einsteiger bestehen dann, wenn Familienunternehmen zwar die Nachfolge innerhalb der Eigentümerfamilie anstreben, sie aber nicht umsetzen können. Häufig fehlt die nächste Generation oder bringt nicht die richtigen Voraussetzungen oder das Interesse an einer Nachfolge mit. So bieten sich gerade in Unternehmen von Handwerkern und Freiberuflern für externe Nachfolger gute Einstiegsmöglichkeiten, wenn sie die gefragte Qualifikation haben.

Gelingt es, die Nachfolge frühzeitig zu regeln, dann kann der Übergebende seinen Nachfolger auch noch selbst einarbeiten – für beide Seiten die beste Lösung. Denn der Übergang kann in diesem Fall ohne Brüche und Anfangskonflikte, dafür aber mit dem gezielten Transfer von Wissen, Erfahrung und Geschäftskontakten wertschätzend und zukunftsorientiert vollzogen werden.

 

Informieren lohnt sich.

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen: Es ist im Interesse der Seniorunternehmer, das Thema einer Betriebsübertragung frühzeitig anzugehen, um den Fortbestand des mit viel Mühe aufgebauten Lebenswerks zu sichern. Nicht nur für den vorhersehbaren Fall des altersbedingten Ausstiegs müssen sie vorsorgen, sondern auch für Notfälle.

Existenzgründern bietet sich die Übernahme eines bereits existierenden Betriebes als interessante Alternative an; ihre Bringschuld ist die erforderliche persönliche und fachliche Kompetenz. Insgesamt kann eine auf beiden Seiten gut vorbereitete Nachfolge den unternehmerischen Erfolg fördern.

(Quelle: Existenzgründerpakt Bayern, Unternehmensnachfolge in Bayern, Bayrisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie)

 

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