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Mehr Bankkredite – Neugeschäft steigt

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Mehr Bankkredite – Neugeschäft steigt

Die Corona-Krise hat zu einer sprunghaften Beschleunigung der Kreditdynamik geführt. Das von KfW Research berechnete Kreditneugeschäft mit deutschen Unternehmen und Selbstständigen wuchs im ersten Quartal um 7,3% gegenüber dem Vorjahr. Damit hat sich die Zuwachsrate im Vergleich zum Jahresende nahezu verdoppelt.

Insbesondere der Zugriff auf kurzfristige Kreditmittel war unmittelbar zu Beginn des Corona-Ausbruchs im März ein wichtiges Instrument zur Deckung der abrupt auftretenden Liquiditätslücken. Auch wenn die Erholung begonnen hat, kämpfen die deutschen Unternehmen in der Pandemie weiterhin mit gravierenden Umsatzeinbußen. Wir erwarten daher eine weitere Zunahme des Kreditwachstums mit Höhepunkt im zweiten Quartal.

Der Kreditzugang der Unternehmen wird dabei durch eine Reihe wirtschaftspolitischer Maßnahmen unterstützt, die es den Banken erleichtern ihr Kreditangebot trotz steigender Risikokosten auszuweiten. Dazu zählt auch das jüngst beschlossene Konjunkturprogramm.

Die Pandemie und die mit ihr verbundenen Beeinträchtigungen der Wirtschaftsaktivität werden bis zum Ende des Jahres die Entwicklung am Unternehmenskreditmarkt dominieren. KfW Research schätzt, dass die Wirtschaftsleistung in den Wochen des Lockdown im zweiten Quartal lediglich 75–80 % des Normalniveaus betrug. Auch wenn die Erholung seitdem eingesetzt hat, wird das Vorkrisenniveau voraussichtlich erst 2021 wieder erreicht. Der Finanzierungsbedarf der Unternehmen zur Überwindung des Schocks nimmt deshalb weiter zu und im gleichen Zug die Nachfrage nach Bankkrediten als wichtigstem Fremdfinanzierungsinstrument. Diese Einschätzung wird von den sehr klaren Ergebnissen des jüngsten Bank Lending Survey (BLS) gestützt: Eine Rekordmehrheit von 40 % der befragten deutschen Finanzinstitute meldete eine steigende Kreditnachfrage seitens der Unternehmen und 60 % (Nettosaldo) rechnen damit, dass sie weiter steigt. Auch über das Motiv der Kredit- nachfrage herrscht Einigkeit. Als treibender Faktor dominiert nach Bewertung der Banken die Betriebsmittelfinanzierung.

Nicht nur die Unternehmen der Realwirtschaft, sondern auch die Banken sind durch die Pandemie enormen Belastungen ausgesetzt. Deshalb stellt sich die legitime Frage, ob die schlagartig wachsenden Kreditrisiken und die damit verbundenen Wertberichtigungen zu Einschränkungen beim Kreditangebot führen könnten. Wir sehen jedoch gute Chancen für einen in der Breite weiterhin offenen Kreditzugang. Nicht nur die gute Ausgangsposition der Banken bei Eigenkapital und Liquidität in Kombination mit regulatorischen Entlastungen stimmt uns in dieser Hinsicht optimistisch. Zusätzlich unterstützt eine ganze Reihe der wirtschaftspolitischen Maßnahmen die Banken direkt oder indirekt bei der Ausweitung des Kreditangebots. So sorgt die EZB neben reichlich Liquidität auch über attraktive Refinanzierungskonditionen für eine verbesserte Profitabilität der Kreditvergabe. Für die gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte hat die Notenbank den Zinssatz unter den Einlagensatz zwischen -0,5 und -1 % abgesenkt. Im Rahmen der KfW Programme wer- den die Banken weit reichend von zusätzlichen Risiken neuer Kredite entlastet. Die als Zuschüsse fließenden Liquiditätshilfen von Bund und Ländern mindern das Insolvenzrisiko. Schließlich verbessert das gerade beschlossene Konjunkturprogramm die mittelfristigen geschäftlichen Perspektiven für viele Unternehmen und damit auch die Rückzahlungswahrscheinlichkeit für Kredite.

Nach wie vor gilt, dass alle quantitativen Einschätzungen aufgrund der Einzigartigkeit der Corona-Krise mit höheren Prognoseunsicherheiten behaftet sind als üblich. Dies voran- gestellt rechnen wir auf Basis der wachsenden Nachfrage bei offenem Kreditzugang mit einer Beschleunigung des Kredit- neugeschäfts im laufenden Quartal. Neben dem Zugriff auf Kreditlinien dürften neu verhandelte Überbrückungskredite, die die KfW Programme einschließen, ebenso an Bedeutung gewinnen, wie die Aussetzung von Tilgungen. Insgesamt erwarten wir einen Zuwachs der Neukreditvergabe im Bereich von 10 %. Das ist etwas niedriger als der bisherige Maximalwert zu Beginn der Finanzmarktkrise. Unsere vorsichtige Schätzung berücksichtigt, dass das Kreditneugeschäft bereits vor Krisenbeginn ein hohes Ausgangsniveau erreicht hatte. Zudem greifen große Unternehmen aufgrund der günstigen Finanzierungsbedingungen derzeit verstärkt auf den Anleihemarkt zurück, kleinen Unternehmen stehen Liquiditätszuschüsse zur Verfügung. Im weiteren Jahresverlauf dürfte dann mit der fortschreitenden wirtschaftlichen Erholung die Verlangsamung der Kreditvergabe einsetzen.

(Quelle: KfW Research)